Reinigen von Federn

Reinigen von Federn

„Wenn du es richtig machst, werden sie singen.“

An diese Worte erinnerte ich mich, als ich vor kurzem einen mit naturbelassenen Truthahnfedern befiederten Pfeil in die Hände bekam. Die Federn stammten nicht aus gewerblicher Verarbeitung. Man konnte sehen, dass die Federkiele von Hand gespalten und die Fahnen mit dem Messer geschnitten worden waren. Man konnte aber auch noch etwas anderes sehen. Die zerfransten Kanten und runden Löcher dieser unbehandelten Federn zeigten das verheerende Werk von Milben – sehr hungrigen Milben.

Frass-Detail Gegen das Licht gehalten, konnte ich das beträchtliche Ausmaß des Schadens erkennen. Die zerfransten Kanten gaben dem Pfeil ein rustikales Aussehen, und den Zustand der Federn hätte man als natürlich bezeichnen können. Aber Insektenfraß entspricht nicht unbedingt meinem ästhetischen Empfinden. Insektenfraß bedeutet Ärger, weil er in großem Ausmaß um sich greifen und in kurzer Zeit Federn zerstören kann, die nicht so leicht wieder zu bekommen sind. Schäden dieser Art sind dennoch nicht unvermeidbar, und als ich das Werk der Milben betrachtete, erinnerte ich mich an die Möglichkeiten, wie man sein Federn schützen kann.

Insektenfras an Truthahnfedern, Detail

Eine allgemein bekannte Methode, die sowohl bei Milben als auch bei Insekten funktioniert, ist die Aufbewahrung der Federn zusammen mit frischen Mottenkugeln. Entscheidend dabei ist, die Federn in einem luftdichten Behälter zu lagern. Mottenkugeln wirken nur, wenn ihre Ausdünstungen eine für Schadinsekten ausreichend hohe tödliche Konzentration entwickeln. Im Gegensatz zur allgemein verbreiteten Meinung wirkt der typische Geruch von Mottenkugeln nicht abwehrend auf Insekten; der springende Punkt ist die giftige Wirkung der Dämpfe.

Mottenkugeln bestehen aus Naphtalin, einer flüchtigen Kohlenwasserstoffverbindung, die erstmals Anfang des 19. Jahrhunderts aus Kohlenteer destilliert wurde. Naphtalin war jahrelang ein Haushaltsprodukt, aber es hat Nachteile. Einer davon ist die Notwendigkeit luftdichter Behältnisse, ein anderer seine giftige Wirkung. Die meisten Anleitungen über die Anwendung von Mottenkugeln warnen vor direktem Kontakt mit der Haut oder mit Kleiderstoffen. Mottenkugeln eignen sich gut zum Schutz eingelagerter Federn. Es bleibt jedoch die Frage, wie man die Federn auf seinen Pfeilen schützt. Vor einiger Zeit war mein Mann[2]in Vermont. Über Nacht gelang es irgendwelchen Insekten im Zelt, die Befiederung auf ein paar schönen japanischen Pfeilen zu einem Haufen Brösel zu reduzieren.

Das weckt die Erinnerung an eine andere Möglichkeit seine Federn zu schützen, ausgedrückt in den Eingangsworten dieses Beitrags. Mit den Worten„Wenn du es richtig machst, werden sie singen“ beschrieb mir ein Mann, wie ihm beigebracht wurde, Federn zu pflegen. Er bezog sich dabei auf die Reinigung von Federn.


Man bereitet einen Tee aus Zedernspitzen[3], indem man eine kleine Menge Zedernspitzen in ein wassergefülltes Gefäß gibt. Wichtig ist das Material des Gefäßes. Es darf nicht aus Aluminium sein, Edelstahl geht zur Not. Am besten benutzt man einen emaillierten Topf oder einen Glasbehälter, der vorzugsweise nur diesem Zweck dient. Die Zedernnadeln köchelt man sanft – köcheln, nicht kochen – bis der Tee eine schöne grüne Farbe annimmt, nicht zu hell und nicht zu dunkel. Ich bevorzuge dabei Regenwasser, weil es sehr weich ist.


Zedernspitzen
 
Zedernspitzen
Federn-zusammendruecken
Den fertigen Tee lässt man abkühlen. Dann werden die Federn gewaschen, indem man sie mit dem Zedernspitzentee bestreicht. Dabei arbeitet man vom Kiel weg nach außen, bestreicht sie vorsichtig und kann sie jetzt singen hören. So reinigt man die Federn und verleiht ihnen einen dünnen Schutzfilm aus Zedernöl. Während die Federn trocknen, sieht man sie glänzen. Wer je einen Habicht in der Frühsonne seine Flügel spreizen sah, um sie vom Tau zu trocknen, hat eine Vorstellung davon, wie schön Federn aussehen können.


Der Tee wird in die Federn eingerieben

Wenn die Federn zum Befiedern der Pfeile sehr staubig oder schmutzig sind, können sie mit einer milden Seife gewaschen werden, beispielsweise mit Babyshampoo. Nach der Wäsche im milden Seifenwasser spült man sie in klarem Wasser aus. Danach behandelt man sie mit dem Zedernspitzentee. Dadurch wird ein Teil des durch die Seife ausgewaschenen Federnfetts ersetzt.


Noch ein Tipp: wenn die Pfeilfedern durch den Transport oder Gebrauch zerzaust oder zerdrückt sind, gibt es eine Möglichkeit sie wieder in Form zu bringen. Man setzt Wasser auf und gibt am besten etwas frische Zedernnadeln zu. Wenn das Wasser kocht, dreht man die Pfeilbefiederung langsam im aufsteigenden Dampf. Die einzelnen Äste der Federfahnen stellen sich auf und kehren in ihre natürliche Ausgangsstellung zurück. Ich selbst mag keine zu steife Befiederung, und ich finde, dass sie durch den Dampf geschmeidig bleibt. Der Zedernnadeltee hat eine vergleichbare Wirkung.



Über Wasserdampf richten sich die Federn wieder auf
Federn-ueber-Dampf

Das Zedernöl im Zedernnadeltee bietet der Befiederung Schutz. Ich will jedoch nicht behaupten, dass diese Art des Waschens eine vollständige Garantie gegen Milben und den durch sie verursachten Schaden ist. Nachlässigkeit trägt oft wesentlich zu derartigen Schäden bei. Erhöhte Aufmerksamkeit hilft, die Wahrscheinlichkeit solcher Schäden zu verringern, bietet aber auch keinen vollständigen oder umfassenden Schutz. Die beschriebene Methode zur Reinigung der Federn ist eine Pflegemaßnahme, und es ist eine Möglichkeit naturbelassene Federn zu behandeln und aufzufrischen. Andere Federn, z.B. für traditionelle und zeremonielle Handlungen indigener Völker in Kanada, werden in gleicher Weise und in regelmäßigen Abständen gepflegt. Die Pflegehandlung an sich enthält das Reinigen der Feder, geht aber darüber hinaus und beinhaltet den Respekt gegenüber der Feder und dem Lebewesen, von dem sie stammt.

Durch diese Handlung zeigen wir unsere Ehrerbietung gegenüber den Dingen, die uns zum Gebrauch überlassen worden sind.

[1] Das Original dieses Artikels erschien erstmals im Primitive Archer Magazine. Die Übersetzung erfolgt mit freundlicher Erlaubnis des Verlags und der Autorin Kay Koppedrayer. Die Fotos stammen vom Übersetzer.

[2] Jaap Koppedrayer; Anm. des Übersetzers

[3] Zedernspitzen ist der Handelsname für die Nadeln der Weihrauchzeder oder Kalifornischen Flußzeder, lat. Calocedrus decurrens (Libocedrus decurrens), engl. flat cedar. Es werden aber auch Nadeln anderer Baumarten (z.B. der Gattungen Wacholder oder Thuja) unter dem Namen „Zedernspitzen“ angeboten.